Diagnostik

Zur frühzeitigen Diagnostik der Demenz
Ein Interview mit dem Gerontopsychiater Jan Weyerhäuser der Rheinhessenfachklinik Alzey

 Was sollen Betroffene tun, wenn sich erste Warnzeichen zeigen?

Manchmal fallen Veränderungen im Alltag auf: Dinge werden häufiger vergessen, vertraute Tätigkeiten fallen schwerer oder die Orientierung lässt nach. Solche Anzeichen können viele Ursachen haben – nicht alle bedeuten eine Demenz. Wichtig ist: Nehmen Sie diese Veränderungen ernst und holen Sie sich frühzeitig Rat.

Ein guter erster Schritt ist das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt. Dort kann geklärt werden, ob körperliche Erkrankungen, seelische Belastungen, Schlafprobleme oder Medikamente eine Rolle spielen. Viele dieser Ursachen sind gut behandelbar.

Wenn die Auffälligkeiten anhalten oder zunehmen, ist eine weiterführende Abklärung sinnvoll, zum Beispiel in einer spezialisierten Gedächtnissprechstunde oder bei Fachärztinnen und Fachärzten für Neurologie oder Psychiatrie. Eine frühe Abklärung hilft, Klarheit zu gewinnen und passende Unterstützung zu finden.

 

 Warum ist eine frühe Diagnose besonders wichtig?

Eine frühe Diagnose schafft Orientierung und Sicherheit – für Betroffene ebenso wie für Angehörige. Sie bedeutet nicht, dass sofort alles festgelegt werden muss. Im Gegenteil: Je früher Klarheit besteht, desto mehr Möglichkeiten gibt es, aktiv zu gestalten.

Eine frühe Diagnose ist wichtig, weil:

  • behandelbare Ursachen erkannt werden können, 
  • Zeit für Beratung und Gespräche bleibt, 
  • wichtige Entscheidungen noch selbst getroffen werden können, 
  • die weitere Versorgung frühzeitig geplant werden kann, 
  • Unterstützungsangebote rechtzeitig genutzt werden können, 
  • Angehörige entlastet werden, 
  • eine medikamentöse Behandlung eingeleitet werden kann, die die Alltagstauglichkeit und Teilhabe im Alltag positiv beeinflussen können.  

Eine frühe Diagnose stärkt die Selbstbestimmung und hilft, den weiteren Weg gemeinsam und gut vorbereitet zu gehen und alle möglichen therapeutischen Interventionen auf den Weg zu bringen. 

 

Welche Schritte sind nach erfolgter Diagnose bedeutend?

Nach einer Diagnose ist es zunächst wichtig, sich Zeit zu nehmen. Viele Betroffene sowie die An- und Zugehörigen erleben Unsicherheit oder Sorge – das ist ganz normal. Niemand muss sofort Entscheidungen treffen. Wichtig ist, Schritt für Schritt vorzugehen und sich umfassend beraten zu lassen.

 

Zu den zentralen Themen nach einer Diagnose gehören:

  • Verständliche Informationen über die Erkrankung und den möglichen Verlauf, 
  • Gespräche über Behandlungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote, 
  • Planung von Hilfe im Alltag und Entlastung für die An- und Zugehörigen, 
  • Klärung sozialer und rechtlicher Fragen

 

Parallel hierzu sollten zudem modifizierbare Risikofaktoren, die einen weiteren Progress der Erkrankung günstig beeinflussen könnten, behoben werden. So sind auf ausreichende Bewegung, soziale Kontakte und eine gesunde, mediterrane Ernährung zu achten. Ebenso sollten relevante Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes mellitus gut eingestellt sein und auf den Konsum von Nikotin und Alkohol verzichtet werden. Einen wichtigen Stellenwert haben die Lebensqualität und die gesellschaftliche Teilhabe. Einen besonderen Stellenwert nimmt  zudem die ergotherapeutische Behandlung und das Gedächtnistraining ein. 

 

Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung: 

Gerade im frühen Stadium einer demenziellen Erkrankung ist es sinnvoll, sich mit rechtlicher Vorsorge zu beschäftigen. Solange eine Person noch gut entscheiden kann, können wichtige Wünsche für die Zukunft selbst festgelegt werden.

 

Vorsorgevollmacht

Mit einer Vorsorgevollmacht wird festgelegt, wer im Fall einer späteren Entscheidungsunfähigkeit stellvertretend handeln darf – zum Beispiel bei medizinischen, finanziellen oder organisatorischen Fragen. Sie hilft, Vertrauen zu schaffen und verhindert, dass später möglicherweise eine gesetzliche Betreuung notwendig wird.

 

Patientenverfügung

In einer Patientenverfügung kann festgelegt werden, welche medizinischen Behandlungen man wünscht oder ablehnt, falls man sich selbst nicht mehr äußern kann. Sie gibt Ärztinnen, Ärzten und Angehörigen Orientierung und Sicherheit und hilft, den eigenen Willen zu respektieren.

Eine frühzeitige Vorsorge bedeutet nicht, den schlimmsten Fall zu erwarten. Sie schafft Sicherheit und entlastet alle Beteiligten. Beratung durch Ärztinnen, Ärzte oder Sozialdienste kann dabei unterstützen.

 

Welche Hilfen gibt es und wer kann die Betroffenen im Landkreis Alzey-Worms unterstützen?

Es gibt viele Anlaufstellen, die Betroffene sowie An- und Zugehörige unterstützen. Dazu gehören Gedächtnissprechstunden, Fachärztinnen und Fachärzte, Beratungsstellen sowie spezialisierte Angebote in Kliniken. In der Rheinhessen-Fachklinik Alzey stehen multiprofessionelle Teams aus Ärzten, Pflege, Psychologen und Sozialdienstmitarbeitern zur Verfügung. Sie unterstützen bei der Abklärung, Behandlung, Beratung und Planung der weiteren Versorgung. Auch An- und Zugehörige können und sollten gezielt einbezogen und begleitet werden.

Ziel ist es, Betroffene sowie  An- und Zugehörige frühzeitig zu unterstützen, zu entlasten und gemeinsam passende Wege zu finden.

 

Ein herzliches Dankeschön für das informative Interview, Herr Weyerhäuser, und Ihr großartiges Engagement für die von Demenz Betroffenen sowie ihre An- und Zugehörigen im Landkreis Alzey-Worms.

Das Interview führte Susanne Schwarz Fenske, Koordinatorin des Netzwerks Demenz für den Landkreis Alzey-Worms.

 

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